Moll-Tonleiter: Natürlich, harmonisch und melodisch

Klaviertheorie, 10.10.2019

Neben der Durtonleiter, die Du jetzt schon kennen gelernt hast, gibt es auch die Moll-Tonleiter. In diesem Beitrag lernst Du die drei Molltonleitern natürlich Moll, harmonisch Moll und melodisch Moll kennen. Der wesentliche Unterschied zu der Dur-Tonleiter ist, dass die kleine Terz (Mollterz) und nicht die große Terz (Dur-Terz) enthalten ist.

Natürlich Moll

Die A-Natürlich-Moll-Tonleiter (oder auch äolisch Moll) enthält dieselben Töne wie die C-Dur-Tonleiter, nur dass der Grundton/Bezugston dieses Mal A und nicht C ist.
Als Tonreihe von Halbton- (HT) und Ganztonschritten (GT) betrachtet ist die Natürlich-Moll Tonleiter folgendermaßen aufgebaut:

GT HT GT GT HT GT GT

Sie enthält somit bezogen auf den Grundton folgende Intervalle: große Sekunde, kleine Terz/Mollterz, reine Quarte, reine Quinte, kleine Sexte, kleine Septime. Die besonders wichtigen Intervalle, um sie von den anderen Molltonleitern unterscheiden zu können, sind die kleine Sexte und die große Septime.
Folglich liegen die zwei Halbtonschritte zwischen großer Sekunde und kleiner Terz und zwischen reiner Quinte und kleiner Sexte.

Harmonisch Moll

Was wir bei der Durtonleiter haben, bei natürlich Moll aber nicht, ist die große Septime, die als Leitton zum Grundton führt.
Vielleicht fällt Dir das selbst auf, wenn du natürlich Moll mit der Durtonleiter vergleichst, indem du beide Tonleitern von einem Grundton bis zum nächsten nach oben spielst. Bei welcher Tonleiter fühlst du dich am Ende mehr „angekommen“. Bei welcher Tonleiter empfindest du den Grundton eher als Ruhepunkt?

Die a-Harmonisch-Moll-Tonleiter unterscheidet sich von der Natürlich-Moll-Tonleiter nur durch die große Septime.
Das Besondere ist, dass sie nicht nur aus Halbton- und Ganztonschritten besteht, da zwischen der kleinen Sexte und der großen Septime eine kleine Terz liegt.
Sie ist also folgendermaßen aufgebaut:

GT HT GT GT HT b3 (=kleine Terz) HT

Sie enthält somit bezogen auf den Grundton folgende Intervalle: große Sekunde, kleine Terz/Mollterz, reine Quarte, reine Quinte, kleine Sexte, große Septime. Die drei Halbtonschritte liegen zwischen großer Sekunde und kleiner Terz, reiner Quinte und kleiner Sexte und zwischen großer Septime und Oktave/Grundton.
Die wichtigen Intervalle der Harmonisch-Moll Tonleiter, um sie von den anderen Moll Tonleitern unterscheiden zu können, sind kleine Sexte und große Septime.

Melodisch Moll

In der Harmonisch-Moll Tonleiter sticht die kleine Terz zwischen kleiner Sexte und großer Septime doch sehr heraus und unterbricht den melodischen Fluss zwischen den Ganz- und Halbtonschritten.
Erhöht man nun die große Sexte um einen Halbton, erhält man die Melodisch-Moll Tonleiter, die ausschließlich aus Ganz- und Halbtonschritten besteht, aber dennoch von der Natürlich-Moll Tonleiter abstammt und die große Septime als Leitton enthält.

Die a-Melodisch-Moll-Tonleiter unterscheidet sich nur noch in einem Ton, nämlich der Mollterz, von der Durtonleiter.
Als Tonreihe von Halbton- (HT) und Ganztonschritten (GT) betrachtet ist die Melodisch-Moll Tonleiter folgendermaßen aufgebaut:

GT HT GT GT GT GT HT

Sie enthält somit bezogen auf den Grundton folgende Intervalle: große Sekunde, kleine Terz/Mollterz, reine Quarte, reine Quinte, große Sexte, große Septime. Die Halbtonschritte liegen zwischen großer Sekunde und kleiner Terz und zwischen großer Septime und Oktave/Grundton.
Die wichtigen Intervalle, um sie von den restlichen Moll Tonleitern zu unterscheiden, sind große Sexte und große Septime. Allerdings wirst Du womöglich feststellen, dass es vielleicht für dich leichter ist sie von der Durtonleiter abzuleiten.

Klang der Moll-Tonleitern

Allgemein haben alle Tonleitern durch die Mollterz einen Mollcharakter. Viele verbinden Moll mit traurig, wobei der Begriff „Moll“ eigentlich aus dem Lateinischen Wort für „weich“ kommt. Anhand des theoretischen Wissens, das ihr nun über die Tonleitern habt könnt ihr durch Spielen selbst herausfinden, wie sie für euch sind.

Harmonisch-Moll ist die Tonleiter, die sich durch die kleine Terz zwischen kleiner Sexte und großer Septime am deutlichsten zu den anderen Tonleitern abgrenzt. Diese Besonderheit erzeugt vor allem eher einen „außergewönlichen“ „ungewohnten“ oder „orienatslischen“ Klang.
Wenn man die Melodisch-Moll Tonleiter hört, würde man vielleicht im ersten Moment denken „klingt wie die Durtonleiter aber ein Ton war irgendwie anders“, da sich diese nur in der Terz von der Durtonleiter unterscheidet.
Mit natürlich Moll verbindest Du möglicherweise einen sehr weichen und melancholischen Klang ohne die große Septime als typischen Leitton.

Praktische Beispiele

Generell ist es nicht ganz so leicht, durch den traurigen Charakter, Stücke in Moll zu finden, die wir aus unserer Kindheit kennen. Ebenso verhält es sich auch in der Werbung. Die Unternehmen möchten ja nicht, dass ihr Produkt mit einem eher dunkleren traurigen Gefühl verbunden ist.

Anders ist es bei Filmen. Gerade durch den melancholischen oder auch traurigen Charakter ergänzt der Moll-Klang eben diese Passagen in Filmen und verstärkt die Gefühle, die durch die Handlung erzeugt werden. Ein Beispiel dafür ist „Comptine d’un autre été“ aus dem Film Die Fabelhafte Welt der Amelie. (Link zu music2me Video auf Youtube). Hier erkennst du in der linken Hand zu Beginn klar den E-Moll Akkord, während sich die rechte Hand ausschließlich den Tönen der E natürlich Moll-Tonleiter bedient.

Aber auch für die Komponisten ist das Stücke schreiben in Dur wesentlich leichter. Das erklärt auch, warum es weniger Stücke in Moll gibt. Bei der natürlich Moll-Skala entsteht beispielsweise das Problem, dass die 5.Stufe (Dominante) nicht aus einem Dur-Dreiklang besteht. Nur bei harmonisch/melodisch Moll steht die 5. Stufe in Dur. Hier entfernt man sich aber wieder von der eigentlich ursprünglichen zur Durtonleiter verwandten natürlichen Molltonleiter.
Das ist nur eines der Probleme, die in Dur nicht auftreten.

Tipp: Die Molltonleitern eignen sich natürlich auch für die Fingerübungen, die du schon bei der Durtonleiter kennen gelernt hast.

Yacine Khorchi

Yacine Khorchi

Yacine absolvierte nach dem Abitur ein Intensivstudium an einer privaten Musikschule und ein Klavierstudium an der Hochschule für Musik in Würzburg. Seit über 10 Jahren unterrichtet er Klavier und leitet seit 2013 den Musik Komponistenkurs an der Pop Akademie Frankfurt.

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