Tipps und Tricks zum optimalen Klavierstimmen

Klavier Tutorials, 29.10.2019

Akustische Klaviere müssen regelmäßig gestimmt werden, damit das Klavier gut klingt und das Spielen Spaß macht. Warum sich ein Klavier verstimmt und wann es gestimmt werden sollte, erfährst du in unserem Beitrag. Außerdem verraten wir dir, ob du dein Klavier auch selbst stimmen kannst.

Warum das Klavierstimmen nötig ist

Einer der Hauptgründe, warum sich ein Klavier überhaupt verstimmt, liegt im Material des Klaviers. Das Klavier ist aus Holz gefertigt, einem Naturwerkstoff, der auf seine äußeren Bedingungen empfindlich reagiert. Es nimmt Feuchtigkeit auf und gibt sie wieder ab, dadurch verformt es sich und verändert sich in seiner Beschaffenheit. Man spricht in diesem Zusammenhang auch davon, dass das Holz “arbeitet”. 

Die Saiten des Klaviers üben einen hohen Druck auf den Holzrahmen aus. “Arbeitet” das Holz also, hat das einen direkten Einfluss auf die Spannung der Saiten des Klaviers und damit auch die Tonhöhe. Das hat nichts damit zu tun, dass z. B. das Klavier falsch aufgestellt ist, sondern passiert ganz natürlich durch die sich ändernde Luftfeuchtigkeit und Temperatur, die die verschiedenen Jahreszeiten mit sich bringen.

Wie oft muss man ein Klavier stimmen? 

Ein Klavier sollte nach Möglichkeit in regelmäßigen Abständen gestimmt werden. Wenn das Klavier an einem einigermaßen geeigneten Platz steht (und regelmäßig gespielt wird), reicht es in der Regel, das Klavier ein- bis zweimal im Jahr zu stimmen oder stimmen zu lassen. Zu einem geeigneten Ort für das Klavier zählt in etwa, dass es nicht an einer Außenwand (Ausnahme: gut isolierte Neubauten) steht und sich fernab von Heizung oder Kamin befindet.

In Musikschulen oder überall, wo häufiger oder länger Klavier gespielt wird als an einem Instrument zum “privaten” Gebrauch, kann es auch nötig oder sinnvoll sein, das Klavier drei- bis viermal im Jahr zu stimmen.

Streng genommen ist das Klavier vermutlich früher “verstimmt”, als man es als bloßer Musiker mitbekommt. Man sollte daher die Stimmung nicht minütlich mit dem Stimmgerät nachmessen, sondern seinem Gehör vertrauen und sich erst dann über das Klavierstimmen Gedanken machen, sobald es auch wirklich verstimmt klingt.

Die richtige (Jahres-)Zeit zum Klavierstimmen

Wie erwähnt, haben die Jahreszeiten und die damit einhergehenden Temperaturen und Luftfeuchtigkeiten einen erheblichen Einfluss auf die Stimmung des Klaviers. Daher stellt sich die Frage, zu welcher Jahreszeit das KKlavier stimmen – selber machen oder machen lassen?
lavier idealerweise gestimmt wird.

Generell gilt: am sinnvollsten ist das Stimmen dann, wenn die Luftfeuchtigkeit in den kommenden Wochen und Monaten konstant so bleiben wird, wie sie jetzt ist. Das kann entweder der Anfang des Sommers sein oder aber ab dem Zeitpunkt, ab dem man regelmäßig heizt und die Luftfeuchtigkeit – auch aufgrund der kälteren Außentemperaturen und des Winters – eher abnimmt. 

Einen genauen Zeitraum, den man sich in den Kalender eintragen kann, gibt es aber nicht. Wenn man einen Anhaltspunkt möchte, kann man ein Hygrometer aufstellen, mit dem man die Luftfeuchtigkeit in der Nähe seines Klaviers beobachten kann, um eine Idee zu bekommen, wann die Luftfeuchtigkeit eher schwankt und wann sie eher stabil ist.. 

Wenig Sinn macht es, das Klavier an klimatisch extremen Tagen zu stimmen, wenn es außergewöhnlich heiß und feucht (oder kalt und trocken) ist und sich das Wetter in den kommenden Tagen wieder nach unten (oder oben) regulieren wird. Dann ist nämlich auch wieder eine Veränderung des Klaviers zu erwarten, die die ganze Arbeit wertlos machen kann. 

Ebenfalls sinnlos wäre es, das Klavier direkt nach dem Transport in den neuen Räumlichkeiten zu stimmen. Manche Händler bieten das zwar als kostenlose Dienstleistung an, was sicher auch eine nette Geste ist. Realistisch betrachtet wird das Klavier aber noch zwischen vier und sechs Wochen brauchen, um sich bei dir zu akklimatisieren. Es ist also gut möglich, dass dein Klavier nach dieser Eingewöhnungszeit nochmal gestimmt werden muss.   

Das Klavierstimmen – selber machen oder machen lassen?

Auch wenn es im Internet einige, mitunter auch sehr ausführliche, Anleitungen zum Stimmen eines Klaviers gibt und man das nötige Werkzeug, teilweise auch sehr preiswert, erwerben kann, sollte man das Klavierstimmen immer einem Profi überlassen! 

Das Klavierstimmen ist wesentlich komplizierter als z. B. bei einer Gitarre und kann nicht in ein paar Minuten mithilfe einer Anleitung im Internet erlernt werden. Der Aufwand, das Stimmen des Klaviers tatsächlich zu lernen, steht in keinem Verhältnis zu den wenigen Malen, in denen man einen Klavierstimmer tatsächlich benötigt. 

Auch von einem Selbstversuch ist dringend abzuraten: eine falsch gestimmte Saite kann die gesamte Stimmung des Klaviers ins Ungleichgewicht bringen. Das bedeutet für den Klavierstimmer, den du spätestens dann sicher brauchst, einen Mehraufwand und im Umkehrschluss höhere Kosten für dich.

Da es sich bei der Berufsbezeichnung “Klavierstimmer” nicht um einen geschützten Handwerksberuf handelt, sollte man sich vorab sehr gut informieren, welchen Fachmann man beauftragt und nicht den erstbesten bestellen. 

Neben Online-Bewertungen sollte man auch die Empfehlung bekannter, erfahrener Pianisten aus der Umgebung oder des Klavierlehrers zu Rate ziehen.

Nimmt man die Dienstleistung eines Klavierbauers in Anspruch, weiß man, dass bei ihm das Klavierstimmen Teil der Berufsausbildung war und er täglich damit konfrontiert ist.

Der Klavierstimmer wird für das Stimmen eines Klaviers in der Regel etwa eine bis zwei Stunden brauchen, je nach Zustand des Klaviers bzw. der derzeitigen Stimmung. Hierbei ist auch ein Faktor, wann das Klavier zuletzt gestimmt wurde.

Die Kosten für ein einmaliges Klavierstimmen variieren recht stark, im Allgemeinen kann man aber von Kosten zwischen 100 und 150€ ausgehen, in extremen Fällen auch mal von bis zu 200€. Vorher solltest du noch abklären, ob der Klavierstimmer seine Anfahrtskosten extra kalkuliert oder ob diese im Preis inbegriffen sind.



Yacine Khorchi

Yacine Khorchi

Yacine absolvierte nach dem Abitur ein Intensivstudium an einer privaten Musikschule und ein Klavierstudium an der Hochschule für Musik in Würzburg. Seit über 10 Jahren unterrichtet er Klavier und leitet seit 2013 den Musik Komponistenkurs an der Pop Akademie Frankfurt.

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