Gitarre stimmen: Bring dein Instrument mit und ohne Stimmgerät auf Kurs

Gitarren Tutorials, 29.06.2018

Die Gitarre klingt schief und dein Publikum nimmt schon Reißaus, wenn du nur die Finger an die Saiten setzt?
Höchste Zeit deine Gitarre zu stimmen!

Wir bieten dir drei verschiedene Stimm-Methoden – mit und ohne Stimmgerät oder mit Flageoletttönen.

Tipp: Lass deine Gitarre das erste Mal von einem Profi stimmen. Danach ist es einfacher sie nachzustimmen.

Standardstimmung für Gitarre

Um die Gitarre korrekt stimmen zu können, musst du wissen, wie die Standardstimmung lautet.

Die Reihenfolge der Stimmung zeigt die dickste Saite ganz oben bis zur dünnsten Saite ganz unten:

E
A
d
g
h
e

Um dir diese Stimmung zu merken, kannst du wieder den bekannten Merksatz verwenden:

Eine alte Dame geht Heringe einkaufen.

Gitarre stimmen mit Stimmgerät – Stimmmethode Nr. 1

Kommen wir zur ersten und einfachsten Stimmmethode: Gitarre mit dem Stimmgerät stimmen. Diese Methode eignet sich besonders gut für Gitarrenanfänger, da deren Gehör meist noch nicht so geschult ist.

  1. Befreie den Raum, in dem du deine Gitarre stimmst, von Nebengeräuschen. Entferne Mitbewohner, schließe Fenster und schalte Küchengeräte aus.
  2. Orientiere dich, welcher weißer Drehknopf aka Stimmwirbel zu welcher Saite gehört.
  3. Halte das Stimmgerät an dein Instrument.
  4. Zupfe die erste Saite – die dickste Saite ganz oben – das E.
  5. Pass dabei auf, dass du ausschließlich diese Saite zupfst.
  6. Lasse den Ton der Saite klar erklingen.
  7. Nun schau auf das Stimmgerät – es zeigt dir ob die Saite genau richtig, zu niedrig oder zu hoch gestimmt ist.
  8. Die Saite ist zu hoch gestimmt? Stimme sie zuerst tiefer und dann erst auf die eigentliche Tonhöhe.
  9. Willst du Saiten höher stimmen? Drehe den entsprechenden Stimmwirbel nach rechts.
  10. Möchtest du die Saiten tiefer stimmen? Drehe den entsprechenden Drehknopf nach links.
  11. Gehe jetzt auf diese Weise alle Saiten nacheinander durch.

Gitarre stimmen nach Gehör und ohne Stimmgerät – Stimmmethode Nr. 2

Für diese Methode benötigst du keine Hilfsmittel. Du brauchst lediglich ein gutes Gehör und eine richtig gestimmte Saite.
Gehe langsam vor und konzentriere dich.

Stimme dazu die Gitarre von der dicksten Saiten, dem E, aus:

  1. Greife die E-Saite im 5. Bund und schlage sie so an, dass der Ton klar und deutlich erklingt.
  2. Schlage die A-Saite leer an (ohne Bund) und vergleiche die Töne, solange sie noch gleichzeitig erklingen.
  3. Zu tief oder zu hoch?
  4. Drehe den Stimmwirbel zur A-Saite nach rechts, wenn die Saite zu hoch klingt und nach links, wenn die Saite zu tief klingt.
  5. Klingt gut? Super, du hast gerade die A-Saite gestimmt.
  6. Greife die A-Saite im 5. Bund und lass den Ton erklingen.
  7. Schlage die D-Saite leer an.
  8. Stimme mit den entsprechenden Stimmwirbeln, bis der gewünschte Ton erklingt.
  9. Greife die D-Saite im 5. Bund und schlage die Saite an.
  10. Spiele die G-Saite leer an.
  11. Stimme mit dem Drehknopf zur G-Saite höher oder niedriger.
  12. Fasse die G-Saite im 4. Bund und spiele sie, um die H-Saite zu stimmen.
  13. Spiele die H-Saite leer an.
  14. Drehe den entsprechenden Wirbel so, dass die Saite wieder stimmt.
  15. Drücke die H-Saite im 5. Bund und schlage sie an.
  16. Spiele die e-Saite (die dünnste Saite) leer an und vergleiche.
  17. Stimme die e-Saite mit dem entsprechenden Stimmwirbel.

Mit Flageolett-Tönen stimmen – Stimmmethode Nr. 3

Kommen wir zur dritten Stimmmethode – stimmen mit Flageolett-Tönen.
Klingt schick oder?
Und nebenbei lernst du auch noch die besonderen (pfeifenden) Töne spielen.

Sie entstehen, wenn du Saiten im 5., 7. oder 12. Bund ganz leicht berührst und dabei anschlägst.

Den Flageolett-Ton der tiefen E-Saite spielst du, indem du mit dem Zeigefinger deiner Greifhand die Saite leicht nach dem 12. Bund berührst und mit der Anschlagshand kurz anschlägst.

Stimme deine Gitarre wie folgt:

  1. Spiele einen Flageolett-Ton im 5. Bund der tiefen E-Saite.
  2. Spiele einen Flageolett-Ton im 7. Bund der A-Saite.
  3. Vergleiche die beiden Töne und passe die Stimmung der A-Saite entsprechend mit dem Wirbel an.
  4. Spiele einen Flageolett-Ton im 12. Bund der A-Saite.
  5. Spiele einen Flageolett-Ton im 7. Bund der D-Saite.
  6. Gleiche die Töne miteinander ab und passe mit dem Drehknopf die Stimmung der D-Saite an.
  7. Stimme die G-Saite, in dem du einen Flageolett-Ton im 12. Bund der D-Saite spielst
  8. Spiele dann einen Flageolett-Ton im 7. Bund der G-Saite.
  9. Vergleiche die beiden Töne und passe mit dem Stimmwirbel die Saite an
  10. Spiele einen Flageolett-Ton im 12. Bund der D-Saite.
  11. Spiele dann einen Flageolett-Ton im 7. Bund der G-Saite und vergleiche diese.
  12. Passe mit dem Drehkopf der G-Saite die Stimmung dieser an.
  13. Spiele nun einen Flageolett-Ton im 7. Bund der tiefen E-Saite
  14. Spiele dann die H-Saite leer an.
  15. Vergleiche die beiden Töne und stimme entsprechend die H-Saite.
  16. Spiele einen Flageolett-Ton im 12. Bund der H-Saite der hohen E-Saite.
  17. Spiele einen Flageolett-Ton im 7. Bund der hohen E-Saite.
  18. Gleiche die Töne ab und stimme mit dem Wirbel die hohe E-Saite entsprechend.

Stimmgeräte kaufen – Unsere Empfehlung

Solltest du dich für die Methode mit Stimmgerät entscheiden, besorge dir ein chromatisches Stimmgerät. Nur diese können Halbtöne einzeln abbilden. Stimmgeräte folgen – logisch – auch der Standardstimmung E A d g h e.

Die Funktionsweise von Stimmgeräten ist verhältnismäßig einfach:
Das Stimmgerät “hört” den gespielten Ton über Mikrofon oder Tonabnehmer. Dann zeigt dir das Gerät an, ob der Ton für diese Saite zu hoch oder zu tief bzw. falsch oder richtig ist.

Wir haben dir jeweils für eine Akustikgitarre wie für eine E-Gitarre ein Stimmgerät ausgesucht:

Stimmgerät für Akustikgitarre: Thomann CTM-700

Stimmgerät Thomann CTM 700 von vorne

Stimmgerät für E-Gitarre: TC Electronic PolyTune

Stimmgerät Thomann TC Electronic Poly Tune von vorne

5 Tipps, mit denen du deine Gitarre optimal stimmst

  1. Dehne deine Gitarrensaiten
    Du hast deine Saiten neu aufgezogen, perfekt gestimmt und willst spielen, da klingt die Gitarre schon wieder als wärst du einer Katze auf den Schwanz getreten.
    Das liegt daran, dass die Saiten sich nach dem Aufziehen immer noch etwas dehnen.
    Komme also dem Hin und Her (Aufziehen – Stimmen – Spielen – Stimmen) zuvor und dehne die Gitarrensaiten nachdem du sie aufgezogen hast. Ziehe dazu die Saite nicht zu fest nach oben vom Körper weg. Ziehe dann noch leicht an den Saiten bei Steg und Sattel.
    Jetzt kannst du die Gitarre stimmen. Danach nochmals dehnen und stimmen.
    Aber auch ohne neue Saiten kann dir das Dehnen der Saiten vielfaches Stimmen ersparen.
  2. Berücksichtige das Tremolo
    Spielst du eine Gitarre mit Tremolo, musst du beim Stimmen anders vorgehen.
    Andernfalls verstimmen sich, sobald du eine Saite gestimmt hast, alle anderen nach unten.
    Stimme als erstes die tiefe E-Saite, dann die A-Saite, wieder die tiefe E-Saite und dann die D-Saite und die A-Saite. Fahre fort und erspare dir so Frust.
  3. Vor dem Auftritt Gitarre checken
    Stehst du öfter auf der Bühne mit deiner Gitarre? Und jedes Mal klingt dein Saiteninstrument schepp? Lass sich deine Gitarre an die Gegebenheiten der Location gewöhnen.
    Nicht selten haben Hitze der Umgebung (u.a. durch Scheinwerfer) die Stimmung von Gitarren beeinflusst. Prüfe dann vor dem Auftritt die Stimmung deiner Gitarre.
  4. Es geht aufwärts
    Die Saiten deiner Gitarre solltest du stets hoch stimmen. Stimmst du hoch, spannst du die Saite an. Auch wenn der Ton tiefer sein sollte, stimme nicht sofort auf den richtigen Ton, sondern zunächst noch tiefer und dann erst auf die perfekte Tonlage.
    Das klingt zwar umständlich, ist aber wichtig. Umgehst du diesen Weg, verstimmt sich die Seite wieder, da nur beim Hochstimmen die ganze Saite angespannt wird und die Toleranz außer acht bleibt.
  5. Stimmen wie spielen
    Stimme so, wie du spielst. Schlägst du die Saiten hart an, solltest du sie auch beim Stimmen mit der gleichen Stärke treffen. Auch die Spielweise ist relevant – wenn du mit Pick spielst, solltest du auch mit Pick stimmen.
    Andernfalls ist deine Gitarre (insbesondere mit Metallsaiten) bald wieder verstimmt, da die Höhe der Töne auf eine andere Spielweise eingestellt ist.

3 Gründe, weshalb sich eine Gitarre verstimmen kann

  1. Extreme Schwankungen in Temperatur und Luftdruck wirken sich auf deine Gitarre aus. Das Material “bewegt sich” und somit auch die Saiten. Die Saitenspannung lässt nach oder nimmt zu. Deine Gitarre ist verstimmt.
  2. Wenn du spielst, zupfst und ziehst, belastest du die Saiten. Die Mechaniken, die über die Stimmwirbel bedient werden, geben bei diesen Belastungen nach und verstimmen die Gitarre.
  3. Hast du soeben neue Saiten auf deine Gitarre gezogen, verziehen sie sich danach noch. Stimmst du also deine Gitarre daraufhin sofort, kann es gut sein, dass du wenige Augenblicke später wieder deine Gitarre stimmen musst. Gerade bei Nylonsaiten (da beweglicher) wirst du öfter damit zu kämpfen haben, als mit Stahlsaiten. Dehne deine Saiten nachdem du sie aufgezogen hast und stimme sie dann nochmal.

Wie oft solltest du deine Gitarre stimmen?

Optimal wäre es, wenn du deine Gitarre vor jedem Spielen stimmen würdest.
Das wird aber, wenn wir ehrlich sind, bei den wenigsten Gitarristen der Fall sein.

Stimme deine Gitarre aber jedes Mal, wenn sie stärkeren Belastungen ausgesetzt war – Hitze, Kälte oder stundenlangen Sessions.

Thomas Dill

Thomas Dill

Thomas leitet unsere E-Gitarren Sektion bei music2me. Er hat ein klassisches Gitarrenstudium an der Uni Giessen und ein E-Gitarren Studium am MGI Köln absolviert. Thomas ist tätig als freischaffender Musiker, Produzent und als Autor bei Bonedo.de. Außerdem gibt er professionellen Musikunterricht.

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