4 Akkorde: Die berühmten Akkorde der Popmusik

Klaviertheorie, 10.10.2019

Vielleicht bist Du beim Stöbern durch das Internet auch schon mal auf Videos gestoßen, in denen über eine sich wiederholende Akkordfolge verschiedene berühmte Songs gesungen wurden und hast dich gefragt, was es damit auf sich hat.

Wir erklären Dir den harmonischen und musikalischen Zusammenhang, der hinter der Musik steckt.

Harmonische Analyse der Akkordverbindung

Bei den vier Akkorden im Video handelt es sich um D-Dur, A-Dur, H-Moll (mit amerikanischer Schreibweise B-Moll) und G-Dur.

In der Abbildung siehst Du die Akkordverbindung in Notenschrift, ausgehend von einem D-Dur Quart-Sext-Akkord (mit möglichst guter Stimmführung, d.h. keine großen Sprünge zwischen den einzelnen Akkorden).

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Bei den Akkorden handelt es sich um die Hauptstufen der D-Dur-Tonleiter und der Tonika-Parallele (H-Moll). Die Hauptstufen sind D-Dur (Tonika), G-Dur (Subdominante) und A-Dur (Dominante).

Bezug zu typischen klassischen Kadenzen

Diese Akkordverbindungen haben einen starken Bezug zu den Akkordverbindungen der Klassik. Dabei gibt es zwei hier auftretende Verbindungen die sogar einen eigenen Namen haben:
Der Trugschluss beschreibt die Verbindung von Dominante zur Tonika-Parallele (In diesem Fall von A-Dur zu H-Moll). Die Dominante löst sich also nicht im Quintfall zur Tonika auf, sondern zur Parallele einen Ganzton über der Dominante. (Parallele deshalb, weil zwei Drittel der Akkorde H-Moll und D-Dur übereinstimmen, nämlich die Töne D und F#)

Die Plagale Kadenz beschreibt die Verbindung von G-Dur zurück zu D-Dur. Das bedeutet, dass die Subdominante nicht zur Dominante führt, die sich in die Tonika auflöst, sondern auf die Subdominante direkt die Tonika folgt.
Diese Akkordverbindungen finden wir häufig in der Klassik.

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In der Abbildung siehst du den Anfang von „Nun danket alle Gott“ BWV 386 von J.S. Bach. Dies ist ein klassisches Beispiel für eine Plagale Kadenz in F-Dur (Hier steht Bb-Dur wieder für das Deutsche B-Dur).

Der Turnaround der 4 Akkorde

Es gibt eine weitere berühmte Kombinationsmöglichkeit der vier Akkorde mit oft einer leichten Abwandlung: den sogenannten Turnaround (das bedeutet so viel wie „Richtungsänderung“, da die Akkordfolge oft am Ende eines Stücks steht und wieder zum Anfang führt).
Die Akkordfolge in D-Dur lautet: D-Dur, H-Moll, E-Moll (als Subdominant-Parallele zu G-Dur), A-Dur (oft auch als Dominant7).
Wohl eines der berühmtesten Beispiele für den Turnaround ist das Kinderlied „I Like the Flowers“, das komplett aus dieser Akkordfolge besteht.

Im Jazz ist er ebenso Bestandteil vieler Standards, wobei er hier in Vierklängen auftritt (also D-Dur mit großer Septime, H-Moll, E-Moll und A-Dur jeweils mit kleiner Septime).
Ein bekanntes Beispiel hierfür ist der Anfang des Stücks „I Got Rhythm“ von George Gershwin. Die gesamte Akkordstruktur von „I Got Rhythm“ wurde oft von anderen übernommen (z.B. von Duke Ellington in dem Stück „Cuttontail“ oder von Charlie Parker in dem Stück „Anthropology“) und ist heute bekannt unter dem Namen „Rhythm Changes“.

Im Laufe der Jahre haben sich dann noch andere Variationen des Turnarounds entwickelt, die sich immer weiter von unseren vier Akkorden entfernt haben.

Andere Kombinationsmöglichkeiten

Nun hast Du das theoretische Wissen zu den vier Akkorden und kannst selber ausprobieren, welche Kombinationsmöglichkeiten gut klingen. Vielleicht kannst du ja daraus ein ganzes Stück schreiben?

Es gibt womöglich Kombinationen die besser/schlechter als andere klingen, aber wirklich schlecht wird sich die Akkordfolge wahrscheinlich nie anhören. Das liegt daran dass alle Verbindungen Teil unserer klassischen europäischen Musikkultur sind. Die einzige Ausnahme bildet die Akkordverbindung Dominante zu Subdominante (in unserem Fall also A-Dur zu G-Dur). Diese Verbindung wurde in der Klassik vermieden, ist aber mittlerweile durch den Blues ebenfalls etabliert.

Yacine Khorchi

Yacine Khorchi

Yacine absolvierte nach dem Abitur ein Intensivstudium an einer privaten Musikschule und ein Klavierstudium an der Hochschule für Musik in Würzburg. Seit über 10 Jahren unterrichtet er Klavier und leitet seit 2013 den Musik Komponistenkurs an der Pop Akademie Frankfurt.

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