Klavier lernen in 13 Schritten Titelbild

Wie bestimme ich Intervalle? – Die Theorie

10.11.2015 11:35 von Mira

 

Intervalle beschreiben den Abstand zwischen zwei beliebigen Tönen. Sie sind eine der grundlegendsten Themen der Musiktheorie und deshalb essentiell für viele weitere Bereiche, wie zum Beispiel die Lehre von Dreiklängen, Vierklängen, der Stufenlehre oder der Improvisation.

Jedes Intervall hat seinen eigenen Klangcharakter und du solltest dich früher oder später darum bemühen, jedes Intervall auch nur durch Hören bestimmen zu können. Im Folgenden werden die theoretischen Grundlagen erklärt, damit du erst einmal auf dem Papier Intervalle unterscheiden kannst.

Chromatik und Halbtonschritte

In anderen Kulturen gibt es zwar häufig auch Viertel oder Achteltöne, aber die kleinste Einheit, die in unserer Abendländischen Kultur vorherrscht, ist ein Halbton. Am Klavier ist ein Halbton der Abstand zwischen zwei direkt benachbarten Tasten (Bsp. C zu Cis, F zu E).

Anders als die Durtonleiter besteht die chromatische Tonleiter nur aus Halbtonschritten (Abk. HTS). Sie enthält also alle Töne, die dir die Klaviertastatur zur Verfügung stellt und wandert immer zur nächsten direkt benachbarten Taste.

In der Abbildung siehst du die chromatische Tonleiter von Ab‘ bis Ab‘‘

Die Oktave

Eine Oktave beschreibt ein Intervall, bei dem der zweite Ton, derselbe Ton ist, wie der erste, nur in der Lage darüber/darunter.

In der Abbildung siehst du eine Oktave nach oben von F‘ zu F‘‘ und von F‘‘ wieder eine Oktave nach unten zurück zu F‘.

Diatonische Intervalle

In der Abbildung siehst du eine Durtonleiter von F‘ bis B‘‘.

In der Durtonleiter sind, bezogen auf den Grundton (in diesem Fall der Ton F), alle diatonischen Intervalle enthalten. Vom Grundton (F‘) zu

  • F‘ heißt das Intervall (reine) Prime (das Intervall zwischen zwei gleichen Tönen)
  • G‘ heißt das Intervall (große) Sekunde
  • A‘ heißt das Intervall (große) Terz
  • B‘ heißt das Intervall (reine) Quarte
  • C‘‘ heißt das Intervall (reine) Quinte
  • D‘‘ heißt das Intervall (große) Sexte
  • E‘‘ heißt das Intervall (große) Septime
  • F‘‘ heißt das Intervall (reine) Oktave
  • G‘‘ heißt das Intervall (große) None
  • A‘‘ heißt das Intervall (große) Dezime (entspricht großer Terz plus Oktave)
  • B‘‘ heißt das Intervall (reine) Undezime (entspricht reiner Quarte plus Oktave)

Alterierte Intervalle

Wenn man ein diatonisches Intervall um einen Halbton verändert, erhält man ein alteriertes Intervall. Grundsätzlich gibt es zu den Intervallnamen fünf Attribute: vermindert, klein, groß, rein, übermäßig.

Wenn man eine große Sekunde/Terz/Sexte/Septime um einen Halbton nach unten alteriert, erhält man eine kleine Sekunde/Terz/Sexte/Septime.

Wenn man eine große Sekunde/Terz/Sexte/Septime um einen Halbton nach oben alteriert, erhält man eine übermäßige Sekunde/Terz/Sexte/Septime.

Wenn man eine kleine Sekunde/Terz/Sexte/Septime um einen Halbton nach unten alteriert, erhält man eine verminderte Sekunde/Terz/Sexte/Septime.

Eine reine Sekunde/Terz/Sexte/Septime gibt es nicht. Es gibt nur reine Primen/Quarten/Quinten/Oktaven.

Wenn man eine reine Prime/Quarte/Quinte/Oktave um einen Halbton nach unten alteriert, erhält man eine verminderte Prime/Quarte/Quinte/Oktave.

Wenn man eine reine Prime/Quarte/Quinte/Oktave um einen Halbton nach oben alteriert, erhält man eine übermäßige Prime/Quarte/Quinte/Oktave.

Eine große oder kleine Prime/Quarte/Quinte/Oktave gibt es nicht.

Bestimmung von Intervallen mit Hilfe von Halbtonschritten

Das klingt bis jetzt natürlich erstmal sehr kompliziert. Es gibt aber noch eine weitere Variante Intervalle zu bestimmen, nämlich mit Hilfe von Halbtonschritten.

Der Abstand von C‘ zu Cis‘ ist ein Halbtonschritt. Man startet bei C und „wandert“ sozusagen eine Taste weiter (also ein Schritt). Von C‘ zu D‘ wären es somit 2 Halbtonschritte. Jedes Intervall kann man so einer gewissen Zahl von Halbtonschritten zuordnen:

Reine Oktave/Übermäßige Septime

0 Halbtonschritte (HTS)Prime
1 HTSKleine Sekunde/Übermäßige Prime
2 HTSGroße Sekunde/Verminderte Terz
3 HTSKleine Terz/Übermäßige
4 HTSGroße Terz/Verminderte Quarte
5 HTSReine Quarte/Übermäßige Terz
6 HTSÜbermäßige Quarte/Verminderte Quinte
7 HTSReine Quinte/Verminderte Sexte
8 HTSKleine Sexte/Übermäßige Quinte
9 HTSGroße Sexte/Verminderte Septime
10 HTSKleine Septime/Übermäßige Sexte
11 HTSGroße Septime/Verminderte Oktave
12 HTSReine Oktave/Übermäßige Septime
13 HTSKleine None/Übermäßige Oktave (entspricht kleine Sekunde plus Oktave)
14 HTSGroße None/Verminderte Dezime (große Sekunde plus Oktave)
15 HTSKleine Dezime/Übermäßige None (kleine Terz plus Oktave)
16 HTSGroße Dezime/Verminderte Undezime (große Terz plus Oktave)
17 HTSReine Undezime/Übermäßige Dezime (reine Quarte plus Oktave)
18 HTSÜbermäßige Undezime/Verminderte Duodezime (übermäßige Quarte plus Oktave)

Die Tabelle sieht nun erstmal recht voll aus, aber sie beschreibt umfassend bei wie vielen HTS welche Intervalle vorliegen.

Enharmonische Verwechslung

Jetzt wunderst du dich vielleicht, warum in der Tabelle in der rechten Spalte mehr als eine Bezeichnung steht, und welche Bezeichnung davon zutrifft. Dass es für die gleiche Anzahl an Halbtonschritten mehrere Bezeichnungen gibt, ergibt sich aus dem Kapitel „Alterierte Intevalle“.

Ein Beispiel bezogen auf C:

Die große Sekunde (D) und große Terz (E) liegen zwei Halbtonschritte auseinander. Auf der Klaviertastatur siehst du, dass nur eine Taste zwischen beiden Tönen liegt. Dennoch kann man die große Sekunde um einen Halbton nach oben alterieren (man erhält eine übermäßige Sekunde) und die große Terz einen Halbton nach unten alterieren (man erhält eine kleine Terz). Das heißt auf die Taste dazwischen können beide Bezeichnungen zutreffen.

Welche Bezeichnung zutrifft, ergibt sich aus dem Notenbild.

Links in der Abbildung siehst du eine übermäßige Sekunde und rechts eine kleine Terz.

Links wird das diatonische Intervall „große Sekunde“ (C zu D) durch ein #-Vorzeichen um einen Halbton nach oben alteriert. Daraus ergibt sich eine übermäßige Sekunde (C zu Dis).

Rechts wird das diatonische Intervall „große Terz“ (C zu E) durch ein b-Vorzeichen um einen Halbton nach unten alteriert.. Daraus ergibt sich eine kleine Terz (C zu Es).

Dieses Prinzip, dass die beiden Töne gleich klingen, aber im Notenbild anders aussehen, nennt man enharmonische Verwechslung.

Beispiele

Lösungen:

  1. Reine Quinte
  2. Große Sekunde
  3. Kleine Sexte
  4. Große Terz
  5. Kleine Terz
  6. Verminderte Quarte
  7. Kleine Septime
  8. Reine Quinte
  9. Große None
  10. Kleine Dezime (entspricht kleiner Terz plus Oktave)
  11. Übermäßige Undezime (entspricht übermäßigen Quarte plus Oktave)
  12. Reine Prime

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